Die industrielle Ära


Die Geschichte der Grube Katzenberg beginnt am 8. August 1881, als den Gebrüdern
Charles & Jules COLLART, Schmelzherren aus Steinfort und Rodingen, die Konzession
Schlossbüsch für die Dauer von 50 Jahren gegen eine jährliche Rente von 18750 Franken
zugestanden wird.

Der erste Stolleneingang zu dieser Konzession befindet sich allerdings nicht auf
Katzenberg, sondern im Ort genannt „Eisekaul“. Erst einige Jahre später, im Jahr 1887,
verlegen die Gebrüder COLLART den Grubenbetrieb an den Fuß des Katzenbergs. Dies
nachdem ihnen eine weitere Konzession im Ellergrund zugestanden wurde.
Mit dem Bau der Gebäude des unteren Zechengeländes Katzenberg wird 1887,
unter der Leitung von Grubeningenieur André KOCH begonnen. Im Lauf der folgenden
Jahre verlegen die Gebrüder COLLART ihren Grubenstandort von der „Eisekaul“ zum
„Ellergrund“.

Der Betrieb wird in den folgenden Jahren beständig ausgebaut und vergrößert, vor
allem durch Erwerb der Konzession Katzenberg, im Jahr 1898. Diese Konzession gibt der
Grube auch ihren Namen, nachdem alle vorher erworbenen Konzessionen (Schlossbüsch,
Ellergrund, Heintzenberg und Katzenberg) untereinander verbunden wurden. Im Jahr
1898 beläuft sich die Gesamtproduktion der Grube Katzenberg auf 72 000 Tonnen Erz.
Im Jahr 1900 wird die Modernisierung des Hüttenwerks in Steinfort und des
Grubenbetriebs Katzenberg eingeleitet. Auf dem oberen Teil der Grube Katzenberg werden
eine große Reparaturwerkstatt (heute Centre d’Acceuil), eine elektrische Zentrale (heute
Halle C) sowie eine Wohneinheit bestehend aus zwei Wohnungen errichtet. Mit dem Erwerb
zweier elektrischer Lokomotiven des Typs LAHMEYER wird der elektrische Fahrbetrieb
in den Stollen eingeführt. Auch kann durch Installation von Entwässerungspumpen das
Grundwasserproblem gelöst werden und Erze aus tiefer liegenden Schichten gefördert
werden.

Die Erzproduktion wächst von Jahr zu Jahr. Wurden Im Jahr 1898 72 000 Tonnen
Erz gefördert, so waren es im Jahr 1900 bereits 100 000 Tonnen. Im Jahr 1903 werden 148
000 Tonnen Erz gefördert und im Jahr 1907 wird ein vorläufiger Höhepunkt mit 177 000
Tonnen erreicht.

Im Jahr 1910 stirbt Charles COLLART. Sein Tod verursacht einen Strukturwandel in
der Firma Charles und Jules COLLART. Diese wird von der einfachen Kommanditgesellschaft
Charles & Jules COLLART Kg in die Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis (KgA) Jules
COLLART umgewandelt.

Im Jahr 1913 wird die Gesellschaft Jules COLLART in die Gesellschaft Hochöfen
und Stahlwerke Steinfort umgewandelt. Hauptaktionär ist von nun an die deutsche
Gesellschaft Felten & Guilleaume Carlswerk mit Sitz in Köln-Mühlheim. Im gleichen
Jahr wird ein großes Investitionsprogramm für die Steinforter Hütte aufgelegt. Zusätzlich
werden zwei neue Erzkonzessionen (Eichels Größe 51,95 ha) und Acht Hektar erworben.
Die Produktion der Grube Katzenberg beläuft sich im Jahr 1913 auf 216 000 Tonnen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs werden im Jahr 1919 die Steinforter Hütte
und die Grube Katzenberg an die französische Société des Mines de la Loire verkauft.
Im Jahr 1921 werden die Steinforter Hütte und die Grube Katzenberg von der
belgischen Gesellschaft Athus-Grivegnée übernommen. Diese Gesellschaft, hatte vorher
eine Interessengemeinschaft mit der Société des Mines de la Loire begründet.

Im Jahr 1928 fusioniert die Gesellschaft Athus-Grivegnée mit den Stahlwerken von
Angleur; die neu gegründete Gesellschaft heißt S. A. Angleur-Athus.
Bei Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 beläuft sich die Produktion der
Grube Katzenberg auf 422 000 Tonnen. Durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise,
wird am 31. Mai 1931 das Steinforter Hüttenwerk definitiv stillgelegt.
Während des Zweiten Weltkriegs wird die Grube Katzenberg vom deutschen
Besatzer zuerst unter Zwangsverwaltung gestellt, dann ab dem 1.April 1943 in die
„Gewerkschaft Lützelburg“ integriert. Die gesamte Erzproduktion wird ins Reich exportiert
um Rüstungsgüter zu produzieren.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1946, fusioniert die Gesellschaft S.
A. Angleur-Athus mit der Gesellschaft S. A. John COCKERILL. Ende der 1950er Jahre
wird der Grubenbetrieb weitgehend mechanisiert. Um die Förderung zu erleichtern
werden Schrapper und Verlademaschinen angeschafft. Ein Erzbrecher wird zwischen dem
braunen und dem schwarzen Lager errichtet. Das gebrochene Erz wird nun mittels eines
Transportbandes zu Tage gefördert und in Erzsilos zwischengelagert, von wo es in die
Erzloren gefüllt wird.

Im Dezember 1967 kommt das Aus für die Grube Katzenberg. Nach einer mehr
als 85 Jahre dauernden Tätigkeit ruht nun der Grubenbetrieb. Die noch verbleibenden
Erzreserven aus den konzessionspflichtigen Lagern werden unter den Gesellschaften
ARBED, HADIR und MMR aufgeteilt; diese Gesellschaften übernehmen auch einen
Großteil der Belegschaft der Grube Katzenberg.

Quellennachweis.
Die Daten im ersten Teil dieses Aufsatzes sind dem „Historique de la mine Katzenberg“,
von Guillaume ROILGEN, Direktor auf der Zeche Katzenberg entnommen. Dieser Text
gilt auch als Grundlage für die Festrede anläßlich der Einweihungsfeier der Barbara-
Kapelle, im Jahr 1953.

Für weitere Quellen verweisen wir den Leser auf das von Luciano PAGLIARINI und Henri
CLEMENS veröffentlichte Werk „L’Autre Mine“, erschienen bei Éditions Schortgen.

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